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64'er

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Modem-Show im Kaufhaus

64'er Ausgabe 7/Juli 1984, S. 8-9

Datenübertragung per Telefon ist in Amerika schon fast an der Tagesordnung, in Deutschland eine Sache von wenigen Spezialisten. Ein Kaufhaus in München demonstrierte jetzt einen Datenaustausch zwischen einem Apple und einem C 64 über Modem und Akkustikkoppler.

Wir waren schon recht früh am Ort des Geschehens. Die Geschäfte hatten noch nicht lange geöffnet, dennoch herrschte bereits reger Betrieb. Unser Weg führte zu einem Kaufhaus am Stachus, einem bekannten Platz in der Münchener Innenstadt, und dort direkt in die Computerabteilung.

Vorbei an Farbe sprühenden Monitoren, die mit kleinen und großen Computern verbunden waren, auf denen begeisterte Jugendliche ganz weggetreten herumhackten, hielten wir Ausschau nach einem Commodore C 64. Aber nicht nach einem normalen, sondern nach einem, der an ein Modem oder auch an einen Akustikkoppler angeschlossen war. Unsere Erwartungen wurden um einiges gedämpft, als wir nichts dergleichen zu sehen bekamen. Sollte man uns falsch informiert haben? Waren wir im falschen Kaufhaus?

Schließlich entdeckten wir ein Gerät, von dem wir annahmen, zu Recht annahmen, daß es ein Modem war. Aber kein C 64 in der Nähe. Lediglich ein Apple, dessen Tastatur mit einer Plastikhaube verdeckt war, stand an der nächsten Regalecke (Bild 1). Dann bemerkten wir auch die Kabelverbindung zwischen diesen beiden Geräten.

Apple am Modem Bild 1. Der Apple war an das Modem angeschlossen

Auch ein Bediener war nicht zu sehen. Selbst die Computer-Fans wußten mit dieser Ecke nicht viel anzufangen. Daß sich hier in Kürze erstaunliches abspielen sollte, ahnte sicherlich keiner von ihnen.

Wir hatten kaum Zeit, uns das Modem, dieses für Eingeweihte so interessante Gerät, genauer anzuschauen, als ein Mann auftauchte, der sich sofort daran zu schaffen machte. Nachdem wir uns vergewissert hatten, an den Richtigen gekommen zu sein, stellten wir uns vor und dann die alles einleitende Frage: "So, das also ist das Modem?!"

Im folgenden Gespräch erfuhren wir mehr über das, was wir zu sehen bekommen sollten. Es war erstens geplant, eine Verbindung zwischen einem C 64 und dem schon erwähnten Apple herzustellen. Zum anderen sollte eine Verbindung mit einem Computer in Köln geschaffen werden.

Apple-Programmme mit dem C 64 editieren

Der Commodore 64, mit dem der Datenaustausch laufen sollte, stand an einem anderen Stand, etliche Meter weiter. Angeschlossen waren ein Diskettenlaufwerk VC 1541, ein Monitor und Akustikkoppler (Bild 2).

So, jetzt konnte es losgehen. Nachdem noch alle Verbindungen geprüft waren, wurde zuerst die notwendige Software geladen. Sie ermöglicht es, alle Daten über die RS232-Schnittstelle über den Userport an Akustikkoppler zu schicken, verarbeitet einkommende Daten und speichert den gesamten Dialog auf Wunsch auf Diskette.

Jetzt fehlte nur noch eines: Die Telefonverbindung. Also wurde die Nebenstelle angewählt, unter der das Modem angeschlossen war. Kurze Zeit später meldete sich der Apple! Natürlich vergewisserten wir uns sofort, ob das gleiche Bild dem Apple-Monitor zu sehen war. Und tatsächlich, alles lief synchron. Als nächstes wurde demonstriert, wie der C 64 Programme vom Apple holte. Wir ließen uns Basic-Programme aus dem Apple-Laufwerk laden und konnten sie am C 64-Monitor listen und auch ändern. Auch das Zurückspeichern verlief ohne Komplikationen.

Ein ungewohntes Bild war es schon. Apple Basic auf dem C 64, ohne das die VC 1541 aktiv war. Natürlich lief alles sehr langsam ab, nämlich mit 300 Baud (Bit pro Sekunde). Das ist die Geschwindigkeit, mit der die Daten per Akustikkoppler über die RS232-Schnittstelle fließen. Aber es war sehr beeindruckend.

C64 am Telefonnetz Bild 2. Der C 64 war über den Akustikkoppler an das Telefonnetz angeschlossen

Da alles über das normale Telefonnetz lief, stand auch einer weiter entfernten Verbindung nichts mehr im Weg. Aber sehen wollten wir das schon. Und so konnte eine weitere Aktion ablaufen: In Köln stand ein C 64, der darauf wartete, mit dem in München stehenden Apple zu kommunizieren.

Wir brauchten nur noch auf den Anruf des Kölner Gegenüber zu warten. Unser Apple stand auf Empfang. Gespannt warteten wir darauf, die ersten Zeichen auf dem Monitor zu sehen. Und auf einmal kamen sie! Wir erlebten die Versuche des Kölner mit, mit dem Apple Kontakt aufzunehmen. Jede Taste, die er in Köln drückte, war bei uns zu sehen. Er versuchte eine Meldung für ihn abzurufen. Leider hatten wir in seinen "Briefkasten" keine Nachricht hineingeschrieben. Man merkte ihm seine Enttäuschung an. Aber wir übermittelten ihm dann direkt unsere Grüße zum Gelingen dieses interessanten Versuches.

Mit normalen Mailboxen (Briefkästen) kann man auf drei Arten kommunizieren. Erstens ist es möglich Nachrichten einzugeben. Diese Nachrichten kann jeder, der einen Akustikkoppler besitzt, eingeben und, das ist die zweite Funktion, auch abrufen und lesen. Die dritte Möglichkeit ist die direkte Verbindung zwischen Anrufer und Empfänger. Der Empfänger ist immer der Computer, der die Mailbox unterhält. In unserem Fall war das der Apple im Münchener Kaufhaus. Manche Mailbox-Programme lassen es auch zu, persönliche Nachrichten einzugeben, die nur von einem bestimmten Teilnehmer gelesen werden können. Dieser Teilnehmer muß dazu einen persönlichen "Briefkasten" in dem Mailbox-System besitzen, für den er in der Regel einen geringen Beitrag bezahlt. Er erhält eine Geheimzahl, ein Paßwort, das nur er kennt. Somit wird sichergestellt, daß nur er die für ihn bestimmten Nachrichten lesen kann.

Wir "sprachen" dann noch etwas mit Köln und beendeten die Verbindung. Die Demonstration war gelungen und wir um einiges Wissen reicher. Natürlich juckte es uns in den Fingern, diese Erkenntnisse auch selbst zu verwenden. Über unsere Erfahrungen werden wir noch ausführlich berichten.

Als wir das Kaufhaus verließen, standen die Spiele-Freaks immer noch vor ihren Computern und hatten keine Ahnung, was ihnen entgangen war...

(gk)

© Originalartikel: WEKA Verlagsgesellschaft, 64'er
© HTML-Veröffentlichung: Projekt 64'er online
Erfassung des Artikels inkl. Bildmaterial: Ralf Eichberger



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