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BTX total

64'er Ausgabe 10/Oktober 1985, Seite 8

Auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin wurde Btx präsentiert wie noch nie. Nahezu jeder bedeutende deutsche TV-Hersteller zeigte seine spezielle Anwendung. Am interessantesten dürfte allerdings das neue Btx-Decoder-Modul von Commodore gewesen sein.

Die Teilnehmerzahlen bei Btx liegen weit hinter den Erwartungen zurück. Eine große Marktakzeptanz gerade bei den Privatanwendern ist noch nicht gegeben. Das liegt unter anderem an den relativ hohen Anschaffungskosten für ein komplettes Btx-System (Anschlußbox, Decoder, Fernseher und Eingabetastatur). Bereits vorhandene, ältere TV-Geräte können nicht oder nur unter großem Aufwand für Btx aufbereitet werden. Das soll sich mit dem Btx-Decoder-Modul für den C 64 und C 128 von Commodore ändern.

Bestückt ist dieses Modul mit dem Valvo-Chip "Eurom" und einem PAL-Coder. Damit kann jeder handelsübliche Farbfernseher mit normalen Video-Eingang eingesetzt werden. Bisher brauchten Btx-Teilnehmer einen SCART-Eingang für die Beistelldecoder. Selbst ältere Fernseher, die keine Video-Buchse haben, lassen sich anschließen. Benötigt wird dazu nur ein als Zubehör angebotener UHF-Modulator. Ebenso können die Monitore 1701/1701 und 1901 angeschlossen werden, es ist also nicht unbedingt ein Fernseher notwendig. Das Steckdecoder-Modul (für den Expansion-Port) wird zwischen 600 und 700 Mark kosten und voraussichtlich Ende Dezember erhältlich sein.

Die Vorteile durch den Einsatz des Moduls mit dem C 64/C 128 liegen klar auf der Hand: Btx-Seiten lassen sich abspeichern (spart Telefongebühren); es ist kein spezieller Fernseher notwendig (man muß nicht umsteigen); Telesoftware kann geladen werden; die Tastatur bietet alle für den Dialog erforderlichen Zeichen; der Computer ist weiterhin als solcher einsetzbar.

Die Vorteile des Computereinsatzes hat auch Nordmende erkannt. Durch ein kleines Modul kann ebenfalls der C 64 für Btx tauglich gemacht werden, allerdings ist dazu noch ein Beistelldecoder notwendig.

Eine neuartige Anwendung zeigte auch Grundig auf der IFA. Mit einem kleinen Interface lassen sich alle Grundig-Video-Recorder (sowohl System Video 2000 als auch VHS) mit IIC-Bus durch den C 64 steuern. Denkbare Einsatzgebiete sind Video-Vorführungen mit gezielter Abrufmöglichkeit, Überwachungswesen oder programmierter Unterricht.

Demonstriert wurde auf der Funkausstellung die Meteosat-Bildaufzeichnung. Durch die gute Deckung der Bildausschnitte des Wettersatelliten ist es möglich, gleiche Bilder verschiedener Aufnahmezeiten zu einer Zeitrafferfolge über mehrere Tage hinweg computergesteuert zusammenzusetzen. Die Signale werden in stehendes Fernsehbild umgewandelt und über die Computersteuerung mit einem Video-Recorder aufgezeichnet. Als Resultat erhält man eine fortlaufende Bilderfolge, mit der eine Vorschau auf die Wetterentwicklung möglich ist.

Voraussetzung ist allerdings eine Parabol-Antenne auf dem Dach! Dennoch zeigt diese Anwendung, was noch alles im C 64 steckt, man muß nur darauf kommen. Das Interface soll übrigens um die 100 Mark kosten.

Telesoftware

Auf dem Poststand wurde die Anwendung der Telesoftware demonstriert. Verwendung fanden dabei die Programme aus unserem Wettbewerb in Ausgabe 6/85. Der Sieger, Hans Liebler, erhielt aus der Hand des Bundespostministers Dr. Christian Schwarz-Schilling den 1. Preis, einen Btx-Fernseher Loewe MCP 114. Telesoftware bedeutet, daß Programme, die im Btx-Rechner gespeichert sind, von jedemTeilnehmer mit dem entsprechenden Computer (in diesem Fall der C 64) abgerufen und verarbeitet werden können. Gesucht wird allerdings noch nach einer einheitlichen Telesoftwarenorm, die es erlaubt, artfremde Daten (wie sie Programme nun einmal für Btx sind) über Bildschirmtext zu übertragen. Sollte dies in einem vertretbaren Zeitraum gelingen, dürfte Telesoftware in Btx ein zukunftsorientiertes Angebot werden.

Dazu müßte allerdings auch auf der Hardware-Seite (sprich Decoder) für den Computer ein gewisser Standard eingeführt werden. So gibt es mittlerweile neben Commodore noch mindestens zwei Anbieter von Steckdecodern für den C 64. Das Modul "Btx 64" von Astech Computer haben wir bereits in der Ausgabe 8/85, Seite 15, vorgestellt. Dieses Modul verwandelt den C 64 in eine Btx-Tastatur mit allen Computerattributen. Es kostet 248 Mark, benötigt allerdings noch einen Decoder. Wie das Decodermodul von Commodore kommt auch das SD-64 (698 Mark) von Technofor ohne Decoder aus, das heißt nahezu jeder "normale" Fernseher oder RGB-Monitor kann angeschlossen werden.

Mit einer speziellen Software (90 Mark) kann der C 64 auch als Mailbox, zum Laden von Telesoftware oder als elektronische Schreibmaschine mit Textverarbeitung eingesetzt werden. Beiden Decodern fehlt allerdings noch die Postgenehmigung.

(aa)

© Originalartikel: WEKA Verlagsgesellschaft, 64'er
© HTML-Veröffentlichung: Projekt 64'er online
Erfassung des Artikels: Martin Klarzynski (Martins Homepage)



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