GEOS 64/128
Graphic Environment Operating System
"GEOS" ist eine Abkürzung und steht für "Graphic Environment
Operating System", was soviel bedeutet wie "Betriebssystem mit grafischer
Umgebung".
Die erste Version von GEOS für den C64 erblickte etwa
1985/1986 das Licht der Welt. Die Entwickler Berkeley Softworks (BSW)
präsentierten der Computergemeinde damals die Version 1.2. Kurze Zeit später
gab es die ersten Anwendungen: das Malprogramm geoPaint
und die Textverarbeitung geoWrite.
Bereits im Sommer 1987 war in den USA die Version 1.3 erhältlich. Diese gab es
wenig später auch in Deutschland zu kaufen. Mit dieser Version beherrschte GEOS
nun endlich auch die entsprechenden deutschen Umlaute.
Die GEOS-Version 1.3 unterstützte übrigens zum ersten Mal ein arbeiten mit
REUs bzw. mit dem 3,5" Diskettenlaufwerk 1581.
Zum Jahreswechsel 1987/88 gab es die erste C128-Version
für den 80-Zeichen-Modus des C128. Die GEOS 64 Version 1.3 wurde eine Zeit lang
auch jedem neuen Commodore 64 (C64C) beigelegt. Commodore gab dazu sogar ein eigens
Handbuch heraus: "GEOS für Commodore 64 - Bedienungshandbuch". Auf der
Vorder- und Rückseite sieht man das Commodore-Logo!
Diese Commodore-GEOS-Version wurde auch GEOS Version 1.5 genannt. Die Unterschiede
zwischen V1.3 und V1.5 sind nicht bekannt... Auf dem englischen Benutzerhandbuch ist
es sogar noch etwas deutlicher zu erkennen:
"GEOS deskTop 1.5 User's Manual".
Ende 1988 wurde die GEOS Version 2.0 von Berkeley Softworks angekündigt. Im
Frühjahr 1989 bereits konnte man diese Version dann im Kaufhaus erwerben.
Das Betriebssystem wurde vollständig umgekrempelt,
unzählige Bugs der Version 1.3 behoben und die integrierte Textverarbeitung
geoWrite V2.1 um nützliche Funktionen erweitert.
Desweiteren enthält das neue Grundpaket V2.0 folgende Programme:
- DeskTop 2.0: Unterstützung von 2 Laufwerken plus Ram Erweiterung,
Gleichzeitige Bearbeitung mehrerer Dateien, Wiederherstellen gelöschter
Dateien, Darstellen der Piktogramme in unterschiedlichen Farben.
- geoMerge: Erstellen individueller Serienbriefe
- TextGrabber: Einlesen von Texten anderer Textprogramme
- GeoSpell: Rechtschreibprüfung mit Wörterbuch (Allerdings nicht sehr
leistungsfähig... Besser ist z.B. das Programm Spellchecker!)
- DiskTurbo: eingebauter Schnellader
- neue Druckertreiber: Mega-Treiber
- PrinterCreator: flexibles Druckeranpassungsprogramm
- geoPaint: Hochauflösendes Grafikprogramm
- sechs Hilfsmittel: Rechner, Notizblock, Wecker, Voreinstellungsprogramm,
Foto- und Textmanager, SelectPrinter (diese Programme können aus
jeder Anwendung heraus gestartet werden.)
- geoLaser: Ausdruck von geoWrite-Dokumenten mit einem Laserdrucker
- PaintDrivers: spezielle Druckertreiber, die u.a. die Ausgabe eines
geoWrite Dokumentes in eine geoPaint Datei umleiten.
1991 entwickelte BSW die GeoRAM. Sie sollte Ersatz schaffen, für die
nicht mehr erhältlichen Commodore REUs. Die GeoRam hat 512KB Speicher, der wie
bei den originalen REUs aufgerüstet werden kann (allerdings nur von Spezialisten!).
Zusammen mit der GeoRAM wird noch eine Diskette mit einem speziellen ReBoot und einem
GEOS-Patch geliefert, damit die GeoRAM unter GEOS erkannt wird. Außerhalb von
GEOS wird die GeoRAM nur von sehr wenigen Programmen unterstützt.
Ebenfalls 1991 erschien das GeoROM. Dies ist ein Modul mit GEOS64. Einfach
einstecken, einschalten und loslegen. GeoROM gibt es nur für GEOS64, GEOS128 wird nicht
unterstützt. GeoROM ist nur als "Upgrade" erhältlich: Zuerst muß
der Anwender GEOS64 kaufen und installieren. Die installierte Systemdiskette schickt er
dann zum Geos User Club (GUC). Dieser erzeugt dann daraus das GeoROM.
Etwa Mitte 1993 erschien dann die GEOS Version 2.5 im Markt & Technik Verlag
(M&T). Diese Version 2.5 wurde nicht von BSW herausgegeben, sondern vom deutschen
Distributer M&T. Die wichtigste Neuerung betrifft den DeskTop: Er wird durch den
TopDesk ersetzt. Den TopDesk konnte man aber bereits vorher beim GUC erwerben.
Der TopDesk ermöglicht jetzt echte Fenstertechnik mit bis zu vier Fenstern,
unterstützt bis zu drei echte Laufwerke plus RAM-Erweiterung.
Außerdem beinhaltet er viele neue Befehle, sowie eine schnellere Bedienung. Durch
einfaches Verschieben der Dateipiktogramme zwischen den Verzeichnisfenstern werden nun
Dateien kopiert. Das nervige Arbeiten mit dem Rand, sowie das Konvertieren einer
Nicht-GEOS-Diskette entfällt daher ab sofort! Desweiteren unterstützt der
TopDesk endlich auch Unterverzeichnisse in Form von Ordnern. Diese werden allerdings
ausschließlich von TopDesk erkannt. Andere DeskTop-Ersatzprogramme können mit
diesen Ordnern nichts anfangen. Die GEOS Version 2.5 wird zusätzlich noch von
folgenden Tools ergänzt:
- ShowFont
- Wechsel
- Silbentrenner
- GeoText
- DirPrint
- Scrap-Cutter
- verschiedene NLQ-Druckertreiber
- zwei neue Maustreiber
Diese Tools waren aber schon vor Erscheinen von GEOS 2.5 verfügbar! Sie
erschienen entweder im 64'er-Magazin,
in den 64'er-Sonderheften oder man konnte sie beim GUC erwerben (z.B. TopDesk,
Silbentrenner). Die GEOS Version 2.5 setzt sich also aus einem kompletten
V2.0-Grundpaket zusammen, sowie zusätzlich eine Diskette mit den oben
erwähnten Programmen.
Wer selber Programme für GEOS entwickeln möchte, hat es nicht schwer!
geoBasic, geoProgrammer wurden bereits sehr früh entwickelt.
geoBasic hat sich allerdings nicht durchsetzen können, da es zu viele Fehler
enthielt, und zu langsam war. Außerdem ist der Speicher, den geoBasic für
die zu entwickelnden Programme zur Verfügung stellt, sehr klein. In den
64'er-Heften und den Sonderheften wurde früher mehrfach auf geoBasic und seine
Fehler eingegangen. Die Maschinenspracheprogrammierung mit dem geoProgrammer wurde
später durch den MegaAssembler ergänzt.
Eine Alternative zu geoBasic und Maschinensprache ist geoCom. Zwar ist dieses
Programmier-Tool an Basic angelehnt, hat aber auch zahlreiche Elemente aus anderen
Hochsprachen integriert. Im Public Domain-/Shareware-Bereich gibt es ebenfalls
Software zum Entwickeln von Programmen, so z.B. geoCope.
Wie sieht es jetzt mit GEOS aus? Der TopDesk wurde weiterentwickelt,
er kann mittlerweile Farbe, zur Zeit ist die Version 3.4 aktuell. Sie ist schneller
als die Urversion und unterstützt alle
CMD-Geräte. So ist z.B. ein Partitionswechsel
auf einem CMD-Laufwerk bereits durch das Anklicken der Fußzeile eines jeden
TopDesk-Fensters möglich. Rollbalken und Online-Hilfe, in Farbe, sind
natürlich auch kein Fremdwort mehr...
Wer Daten von MS-DOS-Disketten unter GEOS austauschen möchte, kommt um
geoDOS nicht herum. Dieses Programm erlaubt auf einfache Weise
das Lesen und Beschreiben von PC-Disketten. Aber nicht nur das: geoDOS ist
außerdem ein DeskTop Ersatz, es kann alles (und noch vieles mehr) was auch
ein DeskTop kann. Dieses Programm ist ebenfalls in Farbe, aber mehr noch:
Der Anwender kann sogar selbst einstellen, in welcher Farbe er das Programm
benutzen möchte. Integriert ist nämlich ein sehr umfangreiches
Farbeinstellungsmenü. Die Online-Hilfe gibt es auch hier!
Der selbe Autor entwickelt z.Z. einen Patch für eine neue GEOS Version. Es
nennt sich MegaPatch3.
Wer nach dem Kopieren von D64-Dateien mit geoDOS diese auch unter GEOS entpacken
möchte - kein Problem! Es gibt ja geoConvert98d. geoConvert98d kann aber
auch wieder mehr als "nur D64 Files entpacken"...
So z.B. GEOS Dateien in das CBM Format konvertieren, und wieder zurück. Es ist das
einzige Programm auf dem C64/C128, das auch einzelne Files aus einer D64 Datei herausziehen
kann. Wer nur an einem Programm von einer D64 Datei Interesse hat, muss nicht erst das
komplette D64 Archiv entpacken. geoConvert98d kann aber auch SEQ Dateien in kleine
Häppchen aufteilen. Der Anwender kann dann die kleinen Brocken jederzeit mit DFÜ
verschicken. Somit ist z.B. auch ein Versand von größeren Dateien in das
Fido-Netz möglich.
Faxen mit GEOS? geoFax macht's möglich!
Dieses Programm erlaubt das Senden und Empfangen von Faxen unter GEOS. Ein Ausdruck in
sehr hoher Auflösung ist direkt mit geoFax möglich. Es liegen dafür
spezielle geoFax-Druckertreiber bei.
Auch dieser Autor plant ein neues GEOS, seines nennt sich Wheels! Es kommt
aus den USA und die GEOS64-Version ist bereits verfügbar, die GEOS128-Version
soll demnächst nachgeschoben werden.
Sollte ein Anwender ein SCSI CD-ROM-Laufwerk an sein System angeschlossen haben,
so kann dieser mittels CD-ROM-Treiber auch auf die vielen CD-ROMs mit C64-/C128-Software
zugreifen. Das CD-ROM-Laufwerk wird dabei wie eine echte 1541
behandelt.
Wer einen SCSI Primax Jewel 4800 Scanner hat, kann unter GEOS128 auch scannen!
Bis jetzt wird allerdings nur dieser eine Typ vom Programm unterstützt.
Auch die neuen Epson Stylus Color Drucker arbeiten mit GEOS. Mit dem Programm
PrintText kann der Anwender selbstverständlich auch farbige Texte auf diese
Drucker ausgeben. Unterstützt werden die im Drucker eingebauten Fonts und
Stilarten, sowie eine maximale Auflösung von 720 dpi. Das ganze funktioniert
ohne Steuerzeichen o.ä. im Text!
Das ist aber noch lange nicht alles, so kann man z.B. auch Audio-CDs unter
GEOS abspielen...
Obwohl die User von GEOS immer weniger werden, gibt es trotzdem noch neue
Hard- und Software für GEOS.
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Biete: GEOPUBLISH (Ulmer-Paulchen, 11.12.2007, 03:07)
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